Ausstellungen zum Rudolstadt-Festival

Das andere Licht - Kunst aus dem Burgenland

Im Rahmen der Kulturpartnerschaft zwischen Rudolstadt und dem Burgenland kuratiert Margit Fröhlich, Direktorin des Landesmuseums Burgenland, eine Ausstellung, die die kulturelle Offenheit und künstlerische Vielfalt des Landes sichtbar macht. Historische Fotografien treten dabei in einen spannenden Dialog mit moderner und zeitgenössischer Kunst.

An der Schnittstelle mehrerer Kulturen gelegen, hat das Burgenland über Jahrzehnte hinweg unterschiedlichste künstlerische Positionen hervorgebracht und angezogen. Geprägt von landschaftlicher Besonderheit und kulturellem Austausch, spiegeln die präsentierten Werke Tradition und Innovation gleichermaßen – und laden dazu ein, das Burgenland als offenen, lebendigen Kulturraum zu entdecken.

in der KulTourDiele - Marktstraße 57

Burgenland. Vielfalt entdecken.

Das Burgenland, das östlichste Bundesland Österreichs, ist geprägt von einer besonderen Geschichte und großer kultureller Vielfalt. Lange Zeit Teil des Königreichs Ungarn, gehört es erst seit 1921 zu Österreich – eine Vergangenheit, die sich bis heute in der sprachlichen und kulturellen Vielfalt der Region widerspiegelt.

Vom einst landwirtschaftlich geprägten Randgebiet hat sich das Burgenland zu einer modernen und dynamischen Region entwickelt. Weinbau, erneuerbare Energien und Tourismus prägen heute das Bild – mit steigenden Nächtigungszahlen und wachsender Beliebtheit als Reiseziel. Die touristische Entwicklung zeigt sich auch in aktuellen Zahlen: Im Jahr 2024 wurden rund 3,29 Millionen Übernachtungen verzeichnet – ein neuer Höchstwert. Auch 2025 setzte sich dieser Trend mit etwa 3,4 Millionen Nächtigungen fort, was ein weiteres Rekordjahr bedeutet.

Diese Fotoausstellung lädt dazu ein, das Burgenland in all seinen Facetten zu entdecken – als Region voller Lebensfreude, lebendiger Traditionen und besonderer Lebensart. Unter freiem Himmel entfaltet sich eine stimmungsvolle Bilderreise durch sanfte Landschaften, eindrucksvolle Burgen und Schlösser sowie renommierte Festspielorte. Die Fotografien erzählen von gelebtem Brauchtum, kultureller Vielfalt sowie von Wein und Kulinarik, die das Burgenland prägen. Sie zeigen ruhige Naturmomente ebenso wie die besondere Atmosphäre großer Bühnen und historischer Schauplätze – und zeichnen so ein facettenreiches Bild einer Region zwischen Entspannung und Inspiration.

Die Ausstellung bietet Raum zum Verweilen, zum Entdecken und dazu, sich von der Schönheit und Authentizität des Burgenlandes inspirieren zu lassen – und vielleicht selbst Lust auf eine persönliche Entdeckungsreise zu bekommen.

„Das Burgenland steht für Lebensqualität, kulturelle Vielfalt und eine einzigartige Verbindung von Natur, Genuss und Geschichte. Mit dieser Ausstellung bringen wir ein Stück unserer Kultur nach Rudolstadt und laden dazu ein, das Burgenland mit allen Sinnen kennenzulernen.“ (Landeshauptmann Hans Peter Doskozil)

Platz am Güntherbrunnen

© Burgenland Tourismus

 

© Burgenland Tourismus - Robert

 

Film zum Rudolstadt-Festival

Mi, 1.7. • 22:00 Uhr • Bauernhäuser
The Harder They Come
JAM 1972 • Regie: Perry Henzel • 88 min • FSK 12 • Original mit deutschen Untertiteln • Eintritt: 8 Euro

Ein Reggae-Western und die erste Spielfilm-Produktion aus Jamaika, angelehnt an die reale Figur des Outlaws Vincent „Ivanhoe“ Martins alias Rhyging (1924–1948): Der junge Landarbeiter Ivanhoe Martin, gespielt von Jimmy Cliff, kommt in die Hauptstadt Kingston und träumt von einer Karriere als Popsänger. Doch erst wird er vom Produzenten über den Tisch gezogen und dann noch von Priestern und Rauschgiftdealern ausgebeutet. Schließlich legt er sich mit den großen Bossen und der Polizei an und greift, nachdem er den Italo-Western Django gesehen hat, zur Waffe. Nach mehreren Polizistenmorden avanciert er zum Underground-Volkshelden, der gegen eine von Kapitalisten dominierte koloniale und postkoloniale Gesellschaft rebelliert, bevor er von der Polizei erschossen wird. Regisseur Henzell spielt gekonnt mit verschiedenen Filmgenres, alterniert heitere Momente mit ungeschminkten Gewaltszenen, Eskapismus mit politischem Biss. Auch eine große Portion Selbstironie ist vorhanden, häufig getragen von den geschickt eingesetzten Songs - eine realistische, in Originalton gedrehte Milieustudie und ein (Film-)Klassiker aus der frühen Zeit der Reggaekultur.

Der Filmregisseur, Produzent und Verleiher Stefan Paul von der Arsenal Filmverleih GmbH in Tübingen gibt eine Einführung in diesen Musikfilm. Für ihn war Jimmy Cliff (1944-2025) der Einstieg in den Reggae. Bis zuletzt stand er mit ihm in persönlichem Kontakt.

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Alle folgenden Filme werden im Cineplex Rudolstadt gezeigt. Der Eintritt ist nur mit Festival-Dauerkarten möglich.

Fr, 03.07. • 11:00 Uhr • Kino Cineplex
Vienna Calling
DEU | AUT 2023 • Regie: Philipp Jedicke • 85 min • FSK 12

Benannt nach einem Falco-Song von 1985 („Wien, nur Wien, du kennst mich up, kennst mich down, du kennst mich, nur Wien, nur Wien, du nur allein“), macht sich dieser Film auf, die Wien-Formel für ebenso kuriose wie eigenständige Musik und Kunst weit abseits des Mainstreams zu finden. Das Ergebnis ist ein Doku-Musical über den Nährboden des Wien-Musik-Hypes, der seit einigen Jahren stattfindet. Die Protagonisten – darunter Der Nino aus Wien, Lydia Haider, Esrap, Stefanie Sargnagel oder Voodoo Jürgens – haben sichtbar Freude am Spiel. Tag und Nacht treiben sie durch die Stadt, es wird geraucht, gesungen und Kunst gemacht. Nach dem Motto ‚Let the music do the talking‘ sprechen hier vor allem die Songs. Eine Liebeserklärung an Wiens Untergrundkultur und „ein Wien-Film der Sonderklasse“ (nmz - neue musikzeitung), der Lust macht auf einen kleinen Schwarzen im Schmauswaberl.

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Fr, 3.7. • 14:00 Uhr • Kino Cineplex
Cesária Évora
POR 2022 • Regie: Ana Sofia Fonseca • 95 min • FSK 14

30 Jahre nach ihrem Auftritt in Rudolstadt zeigen wir diesen Dokumentarfilm über das Leben und die Karriere der legendären kapverdischen Sängerin. Trotz einer einzigartigen Stimme musste Cesária Évora (1941-2011) lange wegen ihres als nicht Star-trächtig erachteten Aussehens um künstlerische Anerkennung kämpfen. Die ausschließlich mit bislang unveröffentlichtem Filmmaterial sowie aufschlussreichen Interviews arbeitende Dokumentation widmet der Zeit nach dem späten Durchbruch Ende der 1980er Jahre viel Aufmerksamkeit, beleuchtet sowohl die Herausforderungen als auch die Triumphe Cesária Évoras. Zudem hält er auch mit der schwierigen Persönlichkeit der bipolaren Künstlerin nicht zurück, sodass sich eine vielschichtige Charakterstudie ergibt.

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Sa, 4.7. • 11:00 Uhr • Kino Cineplex
The History of Sound
USA 2025 • Regie: Oliver Hermanus • 128 min • FSK 14

Es ist 1917. Der junge Musikstudent Lionel kommt aus dem ländlichen Kentucky nach Boston und trifft dort auf David. Zwei Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber durch etwas verbunden sind, das größer ist als sie selbst: Musik. Was folgt, ist eine Liebesgeschichte. Ohne großes Pathos, erzählt über Blicke, Gesten und geteilte Momente, über Atmosphäre und Details. Die Landschaften wirken weit und fast entrückt, während die Musik – rau, melancholisch und voller Geschichte – wie ein emotionaler Faden durch die Erzählung führt. Die beiden Männer wollen einfach das tun, was sie lieben: Volkslieder finden. Der eine nimmt, der andere schreibt sie auf. The History of Sound funktioniert wie die Musik, die er zeigt: Lieder, die Geschichten erzählen - von Liebe, Verlust, Moral. Lieder, die weitergegeben werden, sich verändern, Erinnerungen speichern und damit auch Gefühle konservieren. Es ist kein Film über Liebe im klassischen Sinn, sondern über das, was von ihr bleibt: ein Klang, ein Echo von etwas, das vielleicht schon vorbei ist, während man es noch erlebt.

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Sa, 4.7. • 14:00 Uhr • Kino Cineplex
The Loneliest Man In Town
AUT 2026 • Regie: Tizza Covi, Rainer Frimmel • 86 min • FSK 12

Als Preview vor dem offiziellen Kinostart in Deutschland zeigen wir einen Streifen, der bei der Berlinale im Februar auf überaus positive Resonanz gestoßen ist.  

Al Cook ist ein alter Wiener Bluesmusiker. Seine Wohnung und sein Keller sind vollgestopft mit Büchern, Videokassetten und Schallplatten. Die Zeit scheint hier stillzustehen, während sich außerhalb seiner vier Wände die Erde weitergedreht hat. Der Blues, die Musik, die Al alles bedeutet, gerät allmählich in Vergessenheit. Seine Heimatstadt fühlt sich nicht mehr wie ein Zuhause an, und der Verlust seiner geliebten Frau schmerzt ihn noch immer täglich. Als eine skrupellose Immobilienfirma sein Haus abreißen will, droht ihm auch dieser Rückzugsort zu entgleiten, und er steht vor den Trümmern seiner Existenz. Alois Koch, wie Cook eigentlich heißt, spielt sich in The Loneliest Man In Town selbst – und setzt sich nicht zuletzt mit seiner eigenen Vergangenheit auseinander. Von diesem langen Leben erzählt der Film mit einem lakonischen Witz, melancholisch, aber niemals wehleidig oder nostalgisch verklärend – ein warmherziger und zutiefst berührender Abgesang auf ein Künstlerleben zwischen Trotz und Zärtlichkeit. „Die Wiener Antwort auf Aki Kaurismäki.“ (Kamil Moll)

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So, 5.7. • 11:00 Uhr • Kino Cineplex
Endlich unsterblich
DEU 2025 • Regie: Vera Brückner • 81 min • FSK 0

„Nach den Kriterien des Marktes schwimmen wir gerade irgendwo im großen unbedeutenden deutschen Mittelfeld“, sagt Florian Paul, über den Vera Brückner (meist mit der Handkamera) diesen Dokumentarfilm gedreht hat. Sie begleitet ihn und seine Kapelle der letzten Hoffnung im Tourbus, hinter der Bühne, auf Konzerttour abseits großer Hallen, in einer heruntergekommenen Pommesbude, in der Wuppertaler Wohnung von Florian Pauls Mutter, im Hamburger Club, in dem einst die Beatles auftraten, bei einer Reise nach Mexiko, auf der neue Songs für das dritte Album entstehen. Der Film wechselt ab zwischen Konzertaufnahmen, Interviews von Besuchern sowie Statements und Reflexionen der einzelnen Bandmitglieder, die dem Publikum Einblick in ihre Wünsche und ihr Innenleben gewähren. Im schnelllebigen Musikbusiness bedeutet musikalischer Stillstand Untergang. So hofft die Band einerseits auf den Durchbruch in die Charts, der auch finanzielle Unabhängigkeit bedeuten würde, sie will aber gleichzeitig ihren eigenständigen Stil bewahren. Zählt am Ende der Prozess und nicht das Ergebnis? Oder ist das Ziel doch die große Bühne und das Leben im Rampenlicht – und damit ein bisschen Unsterblichkeit? Ein Dokumentarfilm über die Sehnsüchte und die Härten im Musikgeschäft.

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So, 5.7. • 14:00 Uhr • Kino Cineplex
Die jungen KADYAS
Deutschland 2019 • Regie: Yvonne Andrä, Wolfgang Andrä, Eyal Davidovitch • 103 min • FSK 12

Mit den Chören schola cantorum weimar und Voices of Peace (Israel) sowie Alan Bern, Diana Matut, Cordula Fischer, Yair Dalal, Sheeren Daniel

25 Mädchen zwischen 9 und 21 Jahren aus Israel und Deutschland begeben sich auf eine Reise. Auf die Reise, Lieder zu lernen und zu singen, die die Dichterin Kadya Molodowsky als Gedichte schrieb und zu denen Alan Bern Melodien komponierte. Sie sind arabisch, jüdisch, deutsch; sie sind muslimisch, katholisch, evangelisch, atheistisch; sie sprechen arabisch, hebräisch, englisch, deutsch, französisch, russisch. Nicht alle können sich verständigen. Eines aber eint sie: Sie lieben das Singen. Aber kann das reichen? Der Film fängt alle Leichtigkeit ein, aber auch die Widersprüche, die Schatten der Vergangenheit auch auf einer neuen Generation, die sehr unterschiedlichen Erfahrungen von Deutschen und Israelis. Womöglich überfordert sie das große und wichtige Anliegen des Projekts etwas, aber sie kämpfen mit ihren Stimmen, ihren Träumen und ihrer unbändigen Kraft gegen alle Widerstände an. „Am Ende steht die Erkenntnis, dass Musik verbindet, man Gemeinsamkeiten aber nicht erzwingen kann.“ (Michael Meyns, Tagesspiegel)

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Ungeschminkt – Mike Kamp trifft...

Bei der Veranstaltungsreihe Ungeschminkt des Folker-Herausgebers Mike Kamp – with a little help from Folker-Endredakteur Stefan Backes - handelt es sich nicht um Konzerte, auch wenn möglicherweise das eine oder andere Lied / Instrumental zum Besten gegeben wird: Ungeschminkt ist eine Talk-Show, deren Erfolg nicht zuletzt von der regen Beteiligung des Publikums abhängt.

Samstag
11.00 Phønix *
13.00 Eabhal *
15.00 Clare Sands * (Gastgeber: Stefan Backes)


Sonntag
11.00 Kathryn Tickell *
13.00 Duo Ruut *
15.00 Der Nino aus Wien (Gastgeber: Stefan Backes)

* in englischer Sprache ohne deutsche Übersetzung

Krautklangbühne - Beats am Fluss – Tanz im Tageslicht

Erlebe zwei Tage voller Musik, Tanz und guter Vibes – direkt hinter den Saalgärten, umgeben von grünen Bäumen und plätschernden Wasser.

Lass dich von den Beats treiben und feiere mit den NIWIKK-Kollektiv und ihren Gästen im Einklang mit der Natur!

Fr.  03.07.2026 & Samstag 04.07.2026  | 15:00 – 22:00 | OUTDOOR
Noctua (DJ/Erfurt) • Flirren (DJ/Berlin) • Niwikk-Kollektiv • House • Afro House • Dub • Downtempo • Disco • Goa

Sa. 04.07.2026 |  23:55 – 05:00  | INDOOR
Throes & The Shine (Live/Porto) • Disco/ Studio 54 • Afro House • Electro

 

Die Konferenz zum Länderschwerpunkt

Wenn im Symposium, welches das Festival gemeinsam mit der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar durchführt, nur Vorträge auf Deutsch zu hören sind, ändern wir den eigentlichen Namen Sketches in Skizzen. Acht Referenten skizzieren in diesem Jahr einige Aspekte österreichischen Musiklebens und streifen dabei fast alle Bundesländer.

Das Symposium findet in zwei Blöcken à je vier Referaten am Freitag und Samstag jeweils zwischen 9.30 und 13 h in der Bibliothek statt.

Chair: Matthias Lewy, Lehrstuhl für Transcultural Music Studies, Hochschule für Musik Franz Liszt, Weimar

Programm - Freitag

9.30 Irene Egger: Volksmusik in Bewegung – vom Sammeln zum Gestalten
Das Österreichische Volksliedwerk ist der Dachverband der Volksliedwerke der Bundesländer und verfügt über Standorte in ganz Österreich. Umfangreiche Archivbestände von der Gründung 1904 bis heute zeugen von einer vielschichtigen Musikkultur und von den Menschen, die sie geprägt haben - darunter Flugblätter, Liederbücher, Handschriften und Tondokumente. Das Volksliedwerk veranstaltet auch selbst Festivals, Workshops, Konzerte, ist Verlag, Kultur- und Bildungseinrichtung. Volksmusik wird dabei nicht nur als Traditionspflege verstanden, sondern als offener Raum für kreative, zeitgenössische und interkulturelle Prozesse und Begegnungen. Anhand ausgewählter Beispiele zeigt Irene Egger, wie Archivmaterialien sowohl in traditionellen Musikformaten, in Wettbewerben, im UNESCO-Kontext und in Festivalzusammenhängen sowie in zeitgenössischen Kunstformaten Eingang finden.

Irene Egger ist seit 2005 Geschäftsleiterin des Österreichischen Volksliedwerks.

 

10.15 Filip Tyran: Die Volksmusik der Burgenländischen Kroaten. Zeitgenössische Zugänge
Seit Anfang des 16. Jahrhunderts leben die burgenländischen Kroaten im ‚westungarischen Raum‘, dem Grenzgebiet von Österreich, der Slowakei und Ungarn, und damit durchgehend im Spannungsfeld unterschiedlicher Ethnien und Kulturen. Ihre heutigen kulturellen Praktiken und insbesondere die Musik scheinen für den Fortbestand dieser – mittlerweile stark geschrumpften – Volksgruppe ein zentraler Pfeiler zu sein. Filip Tyran beleuchtet zeitgenössische Ausdrucksformen, die sich zwischen bewusster Traditionspflege, folkloristischem Revival und traditionsaffiner Moderne bewegen. Er geht der Frage nach, inwieweit die Performer selbst multiple kulturelle und musikalische Identitäten entwickeln und das Eigen- und Fremdbild der Burgenländische Kroaten beeinflussen. Die TeilnehmerInnen sollen Aspekte der zeitgenössischen Musik kennenlernen, diskutieren und im gemeinsamen Gesang auch praktisch anwenden.

Filip Tyran studierte Musikpädagogik, Gesang, klassisches sowie Jazzklavier. Er ist Sänger in klassischen Chören, im Folkloreensemble Kolo Slavuj oder im Vokalensemble Basbaritenori und wirkt in zahlreichen Rock- und Popformationen mit.

 

11.30 Evelyn Fink-Mennel: Vorarlberg als Schmelztiegel bairisch-österreichischer und alemannischer Musik- und Musizierpraxis. Am Beispiel des Jodlersingens im Bregenzerwald
Vorarlberg im äußersten Westen Österreichs zeichnet sich durch eine linguistische Besonderheit aus. Während in den anderen österreichischen Bundesländern Bairisch dominiert, wird in Vorarlberg wie in den angrenzenden Bodenseeländern Schweiz, Liechtenstein und Süddeutschland in alemannischen Dialekten gesprochen. Zudem hatte der Arlberg an der Ostgrenze des Landes bis zur Untertunnelung in den 1890er Jahren eine naturräumliche Grenze nach Innerösterreich und den bairisch-sprachigen Tiroler Landsleuten. Diese Orientierung und Zugehörigkeit (bis 1918) prägten und prägen Vorarlberg als Schmelztiegel bairisch-österreichischer und alemannischer Musik- und Musizierpraxis. Dies wird in diesem Beitrag am Beispiel des Jodlersingens im Bregenzerwald dargelegt. Dort heißt „jodeln“ übriges „johlen“, der Jodler (für Interpret wie auch die Musik) ist der „Johlar“.

Evelyn Fink-Mennel studierte klassische Geige-Pädagogik.Sie forscht an der Stella Musikhochschule und bringt Forschungsergebnisse bevorzugt in Form von Workshops oder Gesprächskonzerten zu den Menschen. Als Musikerin war sie im vergangenen Jahr mit ihrer Gruppe finkslinggs in Rudolstadt.

 

 

12.15 Florian Wimmer: Steirer san ma, Steirer bleib ma …? Verständnis, Praxis und Vermittlung von steirischer Volksmusik im Wandel der Zeit
Seit dem Biedermeier stellt steirische Volksmusik ein vermarktbares Erkennungszeichen dar. Besonders im Laufe der letzten 150 Jahre haben sich Verständnis und Praxis dieser Musik allerdings stark gewandelt, vom Echtheits-Diktat der frühen Volksmusiksammler und -pfleger über die Belastung durch den Nationalsozialismus hin zu jüngeren pluralistischeren und ungezwungeneren Zugängen. Florian Wimmer wird diese Entwicklung überblickshaft skizzieren und anhand von Praxiserfahrungen aus seiner Tätigkeit im Steirischen Volksliedwerk veranschaulichen – einer seit 1905 bestehenden Institution, die sich der Sammlung, Veröffentlichung und Vermittlung von steirischer Volksmusik verschrieben hat und deren Vermittlungszugänge sich ebenso wie die Musik im Laufe der Zeit gewandelt haben.

Florian Wimmer, BA MA, ist seit 2016 Mitarbeiter im Steirischen Volksliedwerk. Heute ist er stellvertretender Leiter des Volksliedarchivs und Redaktionsleiter der Vereinszeitschrift Der Vierzeiler.

 

Programm - Samstag

9.30 Thomas Nussbaumer: Musica alpina – Feldforschung in den Ötztaler Alpen
Die Erforschung der Volksmusik im österreichischen Alpenraum war von Beginn an eng mit ethnografischer Feldforschung verknüpft. Aus den dabei entstandenen Beständen entwickelten sich in Österreich dauerhaft verankerte Volksliedarchive, die seit den 1930er Jahren durch neue Feldaufnahmen erweitert wurden. Eine herausragende Persönlichkeit dieser Forschung ist Gerlinde Haid (1943–2012). Ihre gemeinsam mit Ehemann Hans herausgegebene CD-Reihe musica alpina (1993–2014) dokumentiert Volksmusik aller Alpenregionen: vorwiegend mündlich überlieferte, funktionale und variantenreiche Musik, deren Trägerinnen und Träger vielfach anonym bleiben. Aufgenommen wurde sie in Wohnstuben, auf Festen, bei Fasnachtsumzügen oder beim Viehtrieb; oft spiegelt sie auch widerständige Haltungen gegenüber Verboten, Moralvorstellungen oder politischer Unterdrückung. Im Mittelpunkt des Vortrags steht die Doppel-CD musica alpina 5 & 6 mit Feldaufnahmen aus den Ötztaler Alpen.

Thomas Nußbaumer studierte Musikwissenschaft und Germanistik. Seit 1995 ist er Mitarbeiter am Innsbrucker Sitz der Universität Mozarteum Salzburg. Leiter des Fachbereichs Musikalische Ethnologie am Department für Musikwissenschaft.

10.15 Michael Vereno: Et in Arcadia nos? Gedanken und Beobachtungen zur Renaissance der Sackpfeife in Österreich
Im Zuge der Wiederentdeckung historischer Musikstile und Instrumente lässt sich seit den 1970er Jahren europaweit eine erneute Beschäftigung mit Bordunmusik beobachten. In Österreich ist deren prominentester Vertreter die Sackpfeife bzw. der Dudelsack. Spätestens vor vier Jahrzehnten wurde dieses Instrument einmal mehr in der Popularmusik heimisch, wenn auch vielleicht nicht im selben Maße wie in vorangegangenen Epochen.

Das heutige Österreich ist als politische Entität ein verhältnismäßig junges Gebilde, das allerdings einen geographischen und historischen Schnittpunkt verschiedener Kulturen darstellt. Auf seinem Gebiet wurden und werden diverse Sprachen verwendet und Gebräuche gepflegt; eine klare kulturelle Abgrenzung von den Nachbarstaaten, die aus der einstigen Donaumonarchie hervorgegangen sind, ist ein Novum. Was also macht die österreichische Wiederkehr des Dudelsacks aus? Auf welchen Nährboden ist sie gefallen? Wie ist die plötzliche erneuerte Liebe zu diesem einst verlachten Instrument, ja zur Bordunmusik als Ganzes zu betrachten? Und welche Rolle spielt in all dem die Bukolik?

Michael Vereno ist Musiker und promovierter Sprachwissenschaftler. Neben klassischen Instrumenten spielt er verschiedene europäische Sackpfeifen. Sein Hauptinstrument ist dabei die Bockspfeife. Derzeit ist er mit den Ensembles Winkeltanz und Zwiebock aktiv.

 

 

11.30 Bernd Brabec: Musik und Heilung in Österreich? Eine Debatte zwischen Traditionalismus und Modernismus
Da sich Musikpraxis und darstellende Künste in vielen Gesellschaften mit ritualisierten Formen von traditioneller Medizin und anderen Heilverfahren integrieren, stellt sich die Frage, ob dies auch im Alpenraum so war oder ist. Die Quellenlage dazu ist zweifelhaft, und abgesehen von sehr allgemeinen Spekulationen, etwa ob katholische Spiritualität heilsam sein könne, oder auch frühere oder daneben praktizierte Bräuche wie etwa Perchtenläufe, Auskehrer oder Klöckeln etwas mit kathartischen Erfahrungen zu tun haben, findet sich nichts Konkretes. Ganz anders sieht es mit einer modernen Interpretation der Fragestellung aus: Schon bald nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Österreich der erste Lehrgang Europas für Musiktherapie aufgebaut; 2009 bekam Österreich als erstes Land in Europa ein Gesetz zur Regulierung und Legitimierung der Musiktherapie. Die Landschaft der österreichischen Musiktherapie ist in der Tat speziell; sie hat mit der Wiener Medizingeschichte und der Psychoanalyse zu tun. Ein Spezifikum österreichischer Musikpraxis, das aber in der allgemeinen Gesellschaft meist unerkannt bleibt.

Bernd Brabec ist Kulturanthropologe und Musikwissenschafter und lehrt und forscht an der Universität Innsbruck. Seine Spezialgebiete sind u.a. indigene Musik und Ritualpraxis.

 

12.15 Tiago de Oliveira Pinto: Wiener Klassik – warum kein UNESCO Erbe?
Die Musik in Österreich ist ohne die Wiener Klassik nicht zu denken. Sie hat die europäische Kunstmusik (ca. 1760/70–1825/30) geprägt und dient als musikalisches Vorbild weltweit. Im Wesentlichen wird sie mit den Komponisten Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven in Verbindung gebracht. In den beiden großen Kulturkonventionen der UNESCO, die des Welterbes von 1972 und die des immateriellen Kulturerbes von 2003, kommt Musik nicht explizit vor. Seiner komplexen und nicht eindeutigen Natur wegen: Die Flüchtigkeit klingender Musik, das Momentum der Performance und die Vielfalt schriftlicher Fixierungen von Musik haben es schwer gemacht, einen Konsens zu finden. Während der Wiener Walzer seit 2018 als immaterielles Kulturerbe eingetragen ist, bleibt die Wiener Klassik das, was sie ist: eine touristische Attraktion, ein Dauerbrenner in den berühmten Festivals bis hin zum ungebrochenen Personenkult um Mozart und Beethoven. Was ist das Für und was spricht gegen die Anerkennung nach der Definition der UNESCO-Konventionen?

Tiago de Oliveira Pinto ist Inhaber des weltweit ersten musikwissenschaftlichen UNESCO Chairs, dem Lehrstuhl für Transcultural Music Studies der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar, den er nach seiner Emeritierung 2024 als Senior Professor weiterführt. Seit 2025 hat er den Musical Heritage Chair der Kronberg Academy inne. Dem Rudolstadt-Festival ist er seit 2012 verbunden.

O DU LIEBER AUGUSTIN oder Die mythische Möblierung von Kulturlandschaften

1953 veröffentlichte Dorothy M. Johnson eine Kurzgeschichte, die als Vorlage für den gleichnamigen, legendären Western von John Ford aus dem Jahr 1962 diente: „The Man Who Shot Liberty Valance“. Darin spielte James Stewart einen Rechtsanwalt, der für den Übergang vom Faustrecht zum Rechtsstaat steht. Als sich herausstellte, dass nicht der gute Rechtsanwalt den bösen Gangster erschossen hat, sondern ein Raubein dem Übeltäter etwas unfair in den Rücken geballert hat, meinte der Zeitungsredakteur nur lakonisch: Egal wie es ist, wir im Westen drucken weiterhin die Legende!

Das ist wohl nicht nur im wilden Westen so, sondern auch in Old Europe - und wohl all over the „global word weit Nepp“. Überall werden Legenden geliebt, wenn sie denn einmal in die Welt gesetzt und im kollektiven Bewusstsein angewachsen sind. Und so bevölkern unzählige Sagen, Märchen und Legenden die Kulturlandschaften, alte oder moderne Legenden füllen ganze Bibliotheken.

Wie es um die Faktenlage zum LIEBEN AUGUSTIN aussieht, hat die Volksliedforscherin Gertraud Schaller-Pressler minutiös nachgezeichnet. Wir werden das im Songposium behandeln. Hier nur kurz: Der liebe Marx (Markus) Augustin, ein Straßenmusikant und Sackpfeifenspieler soll um 1679, als in Wien die Pest tobte, trunkig am Straßenrand geschlafen haben und wurde dann von den Siechknechten irrtümlich in eine Pestgrube geworfen, oder er ist dort selbstens reingestolpert, (weil keine Absperrung). In der Grube soll er dann seinen Rausch ausgeschlafen haben und am nächsten Morgen wieder rausgeklettert sein, oder er hat dort mit seinem Instrument ordentlich Lärm gemacht und ist herausgeholt worden. Wie es auch war, es ist wichtig, daß es irgendwie wahr war. Der Wiener Schriftsteller Moritz Bermann hat die Geschichte bekannt gemacht und Jahre später sogar alte Totenschauprotokolle nach einem passenden AUGUSTIN durchforscht, wo eben jener heute berühmte Marx (Markus) Augustin gefunden wurde. Das fröhliche Walzerlied tauchte 100 Jahre später auf und seitdem sind alle Zutaten zusammen, mit denen die Legende erblühen konnte.

Um das im SONGPOSIUM zu umspielen, haben wir wieder ein hochkarätiges Ensemble an Bord. An den Tasten der wunderbare Kapellmeister des Rudolstädter Schiller-Theaters Thomas Voigt. Als Experte in Sachen Schmäh, Schuldeutsch und Arbeiterwienerisch, Gesang und Bassgitarre haben wir diesmal Georg Kostron dabei. An der Sackpfeife agiert Michael Vereno aus Salzburg und sorgt für einen authentischen Augustin-Ton. Der langjährige Songposiarch Dieter Beckert übernimmt wieder die Moderation und serviert auf der Bühne auch einige belehrsame Straßenmusikantenmoritaten.