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Songposium - Am Brunnen vor dem Tore

Songposium - Am Brunnen vor dem Tore

Songposium - Am Brunnen vor dem Tore Wir sind im Europa der zwanziger Jahre des 19 Jahrhunderts. Im Kaffeehaus-Wien treffen sich eine Gruppe Künstler, Bohemians und Freigeister aller Art, um zu tanzen, dem Heurigen zu frönen - und auch, um politische Kontrebande zu schmieden. Das Musikgenie Franz Peter Seraph Schubert schreibt Noten wie ein Besessener. Um die 600 Lieder, Sinfonien, Kantaten, Sonaten - allein für die Schreibarbeit hätten andere mehr als die 32 Jahre gebraucht, die Schubert zur Verfügung standen. Und immer mal geht der Lockenkopf mit der Nickelbrille auch raus aus dem Elfenbeinturm und rein in die Faschingsgesellschaft oder die Kneipe, wo die Freunde ganz wild darauf sind, die neuen Sachen zu hören. Und wenn’s ans Tanzen geht, traktiert er auch das Klavier.

Herder hatte vorher mit seinem dreibändigen Stimmen der Völker in Liedern den Startschuss für eine neue Betrachtung der Kultur von unten gegeben. Was wurde so erzählt in den Märchen und Balladen, welche Volksbücher und Liedflugblätter machten die Runde, und wie war das eigentlich mit dem Volkslied? War es in gemeinschaftlicher Dichtung und Umdichtung aus dem künstlerischen Volksvermögen entstanden, oder hatte der ‚Songwriter‘ einfach keine Möglichkeit, es bei der GEMA anzumelden? Liederdoktor Eckard John wird auf diese Fragen im Songposium entsprechende Antworten wissen. Und: Wie waren so die Berührungspunkte zwischen Oberen und Unteren, Herren und Knechten, Herrschaften und Dienstboten, Arbeitnehmern und Arbeitgebern, Unternehmern und Unternommenen. England und Frankreich? Das empfindsame bürgerliche Individuum war aus anderem Holz geschnitzt als der Sänger im Wirtshaus, ob nun an der Lahn, in Wien oder in Rudolstadt. Bei Schubert wechseln die Stimmungen abrupt, gerade noch in Dur, da erklingt schon die nächste Strophe in Moll, derart feinnervig ist nicht jeder gestrickt. Und so musste erst ein Friedrich Silcher kommen, um aus dem theatralischen Lied vom Lindenbaum am Brunnen vor dem Tore ein greifbares einfaches Strophenlied zu machen, welches von den Chören und Gesangsvereinen landesweit bereitwillig aufgegriffen wurde und zu einem echten Volkslied mutierte: „Man weiß nicht, was ein Lied auszuhalten hat, wenn es durch den Mund des Volkes, und nicht etwa nur des ungebildeten, eine Weile durchgeht.“ (Goethe)

Mitwirkende
Dieter A. Beckert Symposiarch von Rudolstadt
Hanni Bode, Songposiumsexpertin
Fiddle-Folk Family Folkband aus der Leipziger Tieflandsbucht
Wolf-Dieter Gööck - Solist der Serkowitzer Volksoper
Cornelius Uhle - Solist der Serkowitzer Volksoper
Thomas Voigt - Kapellmeister vom Theater Rudolstadt